Interview zum Taufjahr 2022

Nachricht Kirchenkreis Walsrode, 30. März 2022

Interview mit Regionalbischof Dr. Stephan Schaede

Die Landeskirche hat 2022 zum Taufjahr ausgerufen. Warum?

Eigentlich ist jedes Jahr seit der Geburt Christi ein Taufjahr. Nun sind durch die Corona-Pandemie elementare Feiern des Lebens ausgefallen. Die Initiative bietet die Chance, Taufen, die 2020/2021 entfallen sind, zu feiern. Das Signal ist: Lasst die Gelegenheit nicht verstreichen, jetzt zu feiern, Eure Kinder oder Euch selbst dem besonderen Taufsegen Gottes anzuvertrauen.

Welche Ideen gibt es im Sprengel, das Taufjahr mit Leben zu füllen?

Viele Gemeinden laden zu Tauffesten ein. Da werden, oft an besonderen Orten, aber auch klassisch am Taufstein Menschen getauft, hinterher Essen und Trinken in großen bunten Runden geteilt. Diese Feste sind ein lebendiger Einstieg ins geteilte Leben vor Gott. Ich finde klasse, dass die Tauffeste Menschen, die allein erziehen, sich allein auf den Weg machen oder einfach jeden Euro umdrehen müssen, uneingeschränkt die Taufe feiern lassen.

Seit ein paar Jahren wird über alternative Formen der Kirchenzugehörigkeit nachgedacht. Was halten Sie von „neuen Formen der Mitgliedschaft“?

Die Taufe ist der von Gott gesegnete Start meines Christseins in einer Kirche. Das ist nicht zu toppen, ist der sakramentale Herzschlag der Kirchenzugehörigkeit. Wir können stärker werden in der Kunst, Menschen, die sich nach geistlichen Herbergen sehnen oder auf der Suche nach Gott sind, einladende Zugänge zu gestalten. Das sollte der theologische Antrieb sein, über neue Formen der Mitgliedschaft zu reden: einer Mitgliedschaft zu einer bunten Gruppe von Menschen, die unterschiedlichste Formen der Suche nach Gott verbindet. Gefunden werden kann Gott nur gemeinsam, gemeinsam auch mit jenen, die religiös fremdeln.

Was bedeutet es Ihnen persönlich, getauft zu sein?

Gott hat ja zu mir gesagt. Egal, was ich anstelle, wie weit ich mich von ihm entferne. Die Namen aller Getauften sind im Himmel Gottes aufgeschrieben. Ich male mir aus: Aus dem zum Teil abgründigen Kauderwelsch, mit dem ich Tag für Tag mein Leben zusammenbuchstabiere, reimt Gott kilometergroße, ewige, blauglänzende Buchstaben zusammen.

Ihr Taufspruch?

Furcht ist nicht in der Liebe (1.Joh 4,18).

Dr. Stephan Schaede